Die Kaffeeplantage

13Jan2018

 

Wie in einigen vergangenen Blogeinträgen schon erwähnt und auch im Namen meiner Einsatzstelle – T.E.C. Oldeani Coffee Estate - enthalten, leben Stella und ich hier in Tansania auf einer Kaffeefarm. Diese besteht aus riesigen Kaffeefeldern und einer kleinen Fabrik in der der Kaffee gewaschen, geschält, getrocknet, sortiert und verpackt wird.

Auf den riesigen Kaffeefeldern arbeiten unzählige Arbeiter, die pro voll gepflückter Kaffeesack und nicht pro Stunde bezahlt werden. Das heißt wenn einer nur eine Stunde braucht um diesen Sack zu füllen, bekommt er genauso viel Geld wie einer, der vielleicht drei Stunden benötigt. Generell arbeitet fast jeder der in der Umgebung lebenden Menschen in irgendeiner Art in der Kaffeeverarbeitung mit. Die Brüder, die die Kaffeefarm leiten, wissen selbst nicht einmal wer alles auf den Feldern und in der Fabrik arbeitet, weil es so viele und jeden Tag neue Menschen sind.

Nach der Blütezeit der Kaffeebüsche, was übrigens wunderschön aussieht, weil dann die ganze Umgebung ein einziges weißes Blütenmeer ist, werden sie gestutzt und der Boden wird von Stöcken und Unkraut befreit. Kranke und alte Kaffeebüsche werden durch neue ersetzt, die zuvor in der kleinen Baumschule gezüchtet wurden. Ein Traktor holt dann die vollen Säcke von den Feldern ab und die Arbeiter dürfen erst dann gehen, wenn ihr Sack auf den Traktor geladen wurde, ihr Name auf der Liste steht und sie ihren Lohn ausgezahlt bekommen haben. Für den Traktor geht die Fahrt weiter in die Kaffeefabrik, wo die Kaffeebohnen in einen riesigen Trichter gekippt werden und im Anschluss mit einer Maschine geschält werden. Die Schalen werden dann mit Wasser durch einen Kanal weggespült und die guten Bohnen gelangen durch ein anderes Rohr zur Waschstation. Dort sind meist 2-4 Arbeiter die mit einer Art Besen die Bohnen durch die Bahnen befördern und den Kaffee dadurch waschen. Ist dieser Vorgang beendet kommen die gewaschenen Bohnen auf große Siebe wo sie zum Trocknen lagern. Sobald die Bohnen trocken sind, kommen viele Arbeiterinnen um schlechte Bohnen oder übrig gebliebene Schalen auszusortieren. Das ist eine wirklich mühsame und anstrengende Arbeit. Wir haben einmal dabei geholfen in der prallen Sonne mit zu sortieren und wir hätten nie gedacht, dass es so anstrengend für Körper, Augen und Kopf sein wird. Auf den Sieben trocknet der Kaffee teilweise einige Wochen bis wirklich gar kein Wasser mehr übrig ist und die Gefahr die Bohnen könnten anfangen zu schimmeln, nicht mehr besteht. Die guten, geschälten und trockenen Bohnen werden dann in eine Lagerhalle gebracht und dort in große Säcke verpackt. Geröstet wird nämlich nur für den Eigenbedarf mit einer kleinen Rösttrommel. Der Rest der Bohnen wird in den Säcken nach Moshi gebracht, wo sich eine riesige Röstfabrik befindet. An diesem Punkt ist die Arbeit der Brüder auch schon vorbei. Nachdem der Kaffee an die Fabrik in Moshi verkauft und abgeholt wurde, wissen sie nicht ´, was mit ihrem Kaffee passiert. Es kann also sein, dass der Kaffee von unseren Feldern auch in Deutschland bei Tchibo, im Supermarkt oder im Bioladen verkauft wird, aber leider kann man dies nicht nachvollziehen.

Die Brüder sind jeden Tag mit irgendeiner Arbeit in der Kaffeefabrik beschäftigt, selbst an Wochenenden und Feiertagen. Momentan gibt es ein großes Problem mit Kaffeedieben aus den eigenen Reihen. Sie kommen nachts oder abends mit einem Auto oder Traktor mit Anhänger und klauen mehrere 100 Kilo des fertigen Kaffees. Das macht die Brüder zu Recht sehr wütend, weshalb sie momentan nach einer Lösung suchen, um das Problem zu beheben. Brother Venance möchte demnächst eine Überwachungskamera am Tor der Farm installieren, denn es gibt zum Glück nur einen einzigen Eingang der gut überwacht werden kann.

Wir schätzen es sehr, die Möglichkeit zu haben auf so einer schönen Kaffeefarm zu leben und mit dabei zu sein, wie unsere tägliche Tasse Kaffee hergestellt wird. Denn um ehrlich zu sein habe ich mir vorher noch nie wirklich Gedanken gemacht, wie Kaffeebüsche aussehen, wie Kaffee gepflückt und verarbeitet wird und wie viel Arbeit eigentlich dahintersteckt.